Brücken bauen statt Mauern: RvW-Auszubildende entdecken das „echte“ Amerika
Während die Schlagzeilen über Handelszölle und politische Spannungen das Bild der USA in Europa prägen, setzt das Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg (RvW) auf Verständigung. Vier Auszubildende wagten den Sprung über den Atlantik und kehrten mit einer Erkenntnis zurück: Die USA sind weit mehr als ihre Tagespolitik.
MARIETTA/GEORGIA/USA. Wer in diesen Tagen die Nachrichten verfolgt, sieht oft ein kühles Bild der Vereinigten Staaten. Themen wie Grönland-Debatten oder Konflikte im Mittleren Osten dominieren die Berichterstattung und sorgen für eine wachsende Distanz im transatlantischen Verhältnis. Wer fährt in einer Zeit, in der das Klima rauer wird, dorthin? Das RvW!
„Gerade jetzt ist der Austausch so wichtig“, betonen die Verantwortlichen. Denn die USA bestehen nicht nur aus Regierungshandeln, sondern vor allem aus den Menschen, die dort leben. Seit Jahrzehnten verbindet uns eine enge Partnerschaft, die auf Kooperation statt Konfrontation fußt. Umso wertvoller ist die seit Februar 2024 gewachsene Freundschaft zum Chattahoochee Technical College in Marietta, Georgia.
Finanziert wurde der Austausch von der Joachim Herz Stiftung, die Begegnungen zwischen den USA und Deutschland fördert. Ohne sie wäre eine Partnerschaft zwischen unseren Colleges nicht umsetzbar.
Ein Programm, das Grenzen sprengt
Für zwei angehende Kfz-Mechatroniker, eine Auszubildende zur Kauffrau im Groß- und Außenhandelsmanagement sowie eine angehende Medizinische Fachangestellte wurde die Reise zu einem intensiven Lern- und Lebenserlebnis. Vom 9. bis 20. März 2026 durften Sie das Campusleben am ChattTech erfahren. Die Gruppe war in einem Ferienhaus untergebracht. „Wir fühlten uns wirklich frei, lebten zusammen in unserem eigenen Haus mit eigenem Mietwagen,“ sagte Samuel und das ist nicht selbstverständlich. „Wir sind auch sehr froh über das Vertrauen, was uns unsere Lehrerinnen und Lehrer entgegengebracht haben und uns so viele Freiheiten gelassen haben,“ ergänzten Frederieke und Jonas. Die begleitenden Lehrkräfte hatten ebenfalls eine Ferienwohnung und waren jederzeit für die vier ansprechbar. Das Programm war so vielfältig wie das Land selbst.
- Gemeinsames Handwerk: In einem Schweiß-Workshop legten alle Schüler selbst Hand an.
- Fachspezifische Einblicke: Von Campus-Touren bei den Fluggerätemechanikern über Kosmetik- und Buchführungskurse bis hin zu Einblicken in das US-Health-Care-System.
- Exkursionen: Besuche bei der lokalen Polizei und eine Tour durch die hochmodernen Anlagen von Tesla boten spannende Kontraste.
Zwischen Alligatoren und „Southern Hospitality“
Natürlich kam auch das Abenteuer nicht zu kurz. Ein freies Wochenende nutzte das Quartett für einen Kurztrip nach Clearwater, Florida. Zwischen dem Baden im Meer mit Delfinen und der Begegnung mit der wilden Seite Floridas – Alligatoren und Schlangen inklusive – erlebten die jungen Erwachsenen die beeindruckende Weite und Natur des Kontinents.
Fazit: Vorurteile haben keine Chance
Was bleibt nach dieser Reise? Vor allem ein tiefes Verständnis für den „American Way of Life“. Die Auszubildenden kehrten sichtlich beeindruckt von der Herzlichkeit ihrer Gastgeber zurück. Marlene meinte dazu: „Man sagt über Amerika, dass es das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sei und genau das haben wir auch erfahren.“
„Es ist erstaunlich, wie offenherzig und lieb wir aufgenommen wurden. Die Amerikaner sind so viel mehr als die Stereotypen, die man oft hört“, so das einstimmige Resümee.
Das RvW hat sich bewusst für die schwierigere Alternative entschieden: Anstatt sich angesichts politischer Differenzen zurückzuziehen, wurden neue Brücken gebaut. Ein besonderer Dank gilt dabei den Kollegen am Chattahoochee Technical College, die mit enormem Engagement ein unvergessliches Programm auf die Beine gestellt haben. Die Freundschaft steht – und der nächste Austausch ist bereits in Planung.
Link zum Bericht in der Allgemeinen Zeitung: https://www.azonline.de/muensterland/kreis-coesfeld/austausch-nach-amerika-3531540