Mutmacher-Märchen gegen Corona

Schüler*innen des Beruflichen Gymnasiums mit dem Schwerpunkt Erziehung und Soziales (BGS91) haben im Rahmen der Unterrichtsreihe „Kinderliteratur“ aktuelle Versionen von Märchen vor dem Hintergrund der Corona-Lage verfasst

 

Der Wolf frisst die Großmutter, die Hexe wird im Ofen verbrannt, eine Frau muss mit glühend heißen Schuhen tanzen, bis sie tot umfällt - keine Szenen aus einem Horrorfilm, sondern aus den beliebtesten Kindermärchen…
Inspiriert von den Gefahren aus alten Volksmärchen haben während des Lockdowns Schüler*innen des Beruflichen Gymnasiums mit dem Schwerpunkt Erziehung und Soziales (BGS91) im Rahmen der Unterrichtsreihe „Kinderliteratur“ aktuelle Versionen von Märchen zur Corona-Lage verfasst. Einzige Bedingung: Es muss ein Happy End geben!

Märchen 1
Goldlöckchen und der Kröterich

In einem fernen Land gab es einst ein wunderschönes Königreich. Etwas außerhalb des Königreiches wohnte eine schöne Bauerntochter mit ihrem Vater. Ein jeder nannte sie Goldlöckchen, da sie wunderschöne Locken hatte. Eines Tages schickte der Vater seine Tochter in die Stadt, um ein paar Dinge zu besorgen. Der Vater war erkrankt. Er musste stetig husten. Als Goldlöckchen auf den Markt kam, wunderte sie sich. Alles, was sie für den Vater besorgen sollte, war ausverkauft. Es gab kein Mehl und Zucker mehr, keine Kräuter und sogar das Donnerbalkenpapier war ausverkauft. Die Menschen um Goldlöckchen herum rannten alle über den großen Marktplatz. Am Marktbrunnen entdeckte Goldlöckchen eine Kröte, die sich amüsiert das Geschehen anschaute. Goldlöckchen ging zu der Kröte und fragte diese: „Guten Tag kleiner Kröterich. Weißt du, was hier vor sich geht?“ Die Kröte schaute das Mädchen verwundert an. „Wie du weißt nicht, was geschehen ist, kleine Bauerntochter? Die böse Hexe hatte einen schrecklichen Streit mit dem König und aus Zorn verfluchte sie das gesamte Königreich mit dem Corona-Zauber.“ „Oh Schreck! Aber kleiner Kröterich, was ist der Corona Zauber?“ Goldlöckchen sah sich beängstigt um. „Das weiß keiner so genau. Man weiß nur, dass die Menschen davon sehr krank werden. Sie bekommen Husten und schlecht Luft. Es sind sogar schon einige Menschen daran gestorben. Der König soll auch schon erkrankt sein. Geh lieber nach Hause zu deinem Vater, kleine Bauerntochter, und pass auf dich auf.“ Und mit diesem Satz verschwand die Kröte im Brunnen. Auch Goldlöckchen machte sich auf den Weg nach Hause.
In der folgenden Nacht konnte Goldlöckchen nicht ruhen. Sie musste immer an den Corona-Zauber denken. Sie dachte an ihren geliebten Vater, der auch erkrankt war. Vielleicht war es auch der Corona-Zauber, der den Vater krank machte. Noch vor Sonnenaufgang beschloss Goldlöckchen wieder zur Kröte zu gehen. „Hallo, kleiner Kröterich! Steh auf! Ich brauche deine Hilfe!“ Verschlafen kam die Kröte aus dem Brunnen. „Kleine Bauerntochter, was machst du zu früher Stunde hier an meinem Brunnen?“ „Kleiner Kröterich, ich brauche deine Hilfe. Ich möchte das Königreich retten und den Corona-Zauber brechen. Ich glaube mein Vater hat auch den Corona-Zauber.“ „Wie willst du kleine Bauerntochter ein ganzes Königreich retten? Und wofür brauchst du die Hilfe einer kleinen Kröte?“ „Ach kleiner Kröterich, du bist den ganzen Tag hier auf dem Marktplatz und hörst viele Gespräche. Ich glaube, du weißt, wie man den Zauber der Hexe brechen kann.“ „Ja es wäre schon möglich, dass ich das ein oder andere mitbekommen habe. Also ich habe gehört, dass die guten Feen im Zauberwald an einem Zauberpulver arbeiten und sie auch schon kleinere Testzauber durchführten.“ Goldlöckchen sprang auf. „Das klingt großartig. Komm kleiner Kröterich, lass uns schnell los in den Wald!“ „Ich soll mit in den Zauberwald? Du hast wohl vergessen, wer im Zauberwald lebt. Der große böse Wolf. Ich komme nicht mit! Ich bleibe in meinem schönen sicheren Brunnen!“ „Aber kleiner lieber Kröterich, ich brauche deine Hilfe. Alleine werde ich es nie schaffen. Du weißt, wo die Feen leben und du kennst dich im Wald viel besser aus als ich, weil du doch im Zauberwaldsumpf aufgewachsen bist“ „Na gut, ich komme mit, ohne mich bist du verloren und ein Abenteuer hatte ich schon lange nicht mehr.“
Begeistert nahm Goldlöckchen die Kröte auf ihre Schulter. Gemeinsamen gingen sie in den Zauberwald. Nach einiger Zeit entdeckten sie eine große Gestalt am Wegesrand. Es war der große böse Wolf. Doch er sah gar nicht böse aus. Er hustete viel und war ganz blass. „Halt ihr beiden! Was macht ihr denn zu diesen schrecklichen Zeiten im Zauberwald? Vielleicht kennt ihr mich noch nicht, ich bin der große böse Wolf.“ Goldlöckchen und die Kröte sahen sich beängstigt an. „Ihr beiden seid aber mutig hier entlang zu gehen. Mutige kleine Mädchen esse ich besonders gerne. Habe ich heute einen Glückstag.“ Die Kröte verschloss die Augen und Goldlöckchen floss eine Träne über ihre Wange. Der Wolf riss seinen Mund weit auf und wollte gerade Goldlöckchen verspeisen, da fing er kräftig an zu husten. Goldlöckchen nutzte die Gelegenheit und rannte schnell weg. Sie rannte und rannte, bis sie vor einem großen Tor stand. Erst jetzt öffnete die Kröte ihre Augen wieder. Goldlöckchen und die Kröte standen mit weit geöffneten Augen vor einem großen goldenen Tor. Es war das Tor der guten Feen. Das Tor öffnete sich und eine Fee flog heraus. „Kommt herein. Wir haben euch schon erwartet.“ Goldlöckchen und die Kröte folgten der kleinen Fee auf eine schöne Blumenwiese. Die Feen erzählten, dass die böse Hexe sie hierher verbannt hatte, damit sie dem Königreich nicht helfen konnten. „Ein Glück, dass wir jetzt hier sind.“ sagte die Kröte. Die Feen gaben Goldlöckchen einen Sack mit einem goldenen Pulver. „Gib das Pulver dem König, er soll es in die Luft blasen und somit den Zauber, der auf seinem Königreich liegt, brechen.“ Goldlöckchen und die Kröte liefen direkt zum Schloss, um das Pulver dem König zu geben. Sie begegneten zunächst nur dem schönen Prinzen. Dieser sprach zu ihnen: „Der König ist sehr krank und kann keinen Besuch empfangen.“ Goldlöckchen zeigte den Sack mit dem Pulver und erklärte, was der König machen musste. Der Prinz führte Goldlöckchen und die Kröte zum König. Als dieser das Pulver in die Luft blies, hörte jeder im Königreich auf zu husten. Alle waren plötzlich gesund und auch der König schien wieder gesund zu sein. Er schaute Goldlöckchen an. „Danke dir Goldlöckchen. Du hast das Königreich gerettet. Wir liegen tief in deiner Schuld. Als Dank möchte ich, dass du meinen Sohn, den Prinzen, heiratest. Und du, kleiner Kröterich, sollst unsere Schlosskröte werden. Du bekommst einen eigenen Brunnen hier im Schloss“ So geschah es dann auch. Die Kröte bekam ihren eigenen Brunnen und lernte eine wunderschöne Krötendame kennen, mit der sie zusammen im Schlossbrunnen lebte. Goldlöckchen heiratete den Prinzen und wurde so zur Prinzessin. Jeden Tag ging sie zum Schlossbrunnen, um mit der Kröte über das Corona-Zauber-Abenteuer zu reden. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann geht sie noch heute zum Schlossbrunnen.

Märchen 2
Das kleine Häschen und die Coronahexe

Es war einmal ein kleines Häschen, das lebte mit seinen drei kleinen Brüdern und den Eltern im Chinatal. Eines Morgens schickte die Mutter das kleine Häschen zum Einkaufen auf den Markt in das Dorf. Also packte es sich Körbchen, Schuhe und Mütze und los ging die Reise. Die Mutter sagte noch: „Pass auf und gib Acht auf dich, rede mit Fremden nicht!“ „Ja Mutter.“, antwortete das Kleine.
Als das Häschen schon ein Stück des Weges gegangen war, kam es an einer alten Frau vorbei. Diese grüßte das kleine Häschen mit den Worten: „Halt an mein Kleines und schau, was ich hier habe.“ Das kleine Häschen betrachtete die Alte und erwiderte: „Nein, nein Großmütterchen, ich darf nicht mit Fremden reden, meine Mutter trug mir auf zum Markt zu gehen.“ Die Alte jedoch beharrte: „Ach komm, es dauert auch nicht lang, sieh her mein Kleines. Ich habe ein Geschenk für dich.“ In ihren Armen hielt sie ein kleines Fledermäuschen. „Was ist denn das?“, fragte nun das Häschen, als es das Mäuschen sah. „Das ist mein kleines Haustier, ich kann nicht mehr für es sorgen, denn ich bin zu alt geworden.“, antwortete die Alte traurig. „Oh, das tut mir leid.“, gab das Häschen ihr zu verstehen, „wie kann ich dir nur helfen Großmütterchen?“ „Gib auf es Acht und sorge dich darum. Kannst du das für mich tun?“, fragte sie voll Hoffnung. „Ja gerne, das mache ich für dich Großmütterchen.“, gab das Häschen ihr voll Freude zu verstehen. Die Alte bedankte sich beim Häschen und sie gingen beide ihres Weges. Auf dem Weg zum Markt und zurück nachhause, da spielte das Häschen ausgelassen mit dem kleinen Fledermäuschen. Sie verstanden sich sehr gut. Als sie zuhause angekommen waren, da erzählte das Häschen aufgeregt seinen kleinen Brüderchen, was ihm geschehen war und wie glücklich es doch wäre. Doch die Mutter und der Vater waren keineswegs erfreut: „Was haben wir dir immer gesagt? Gib Acht auf dich und du sollst nicht mit Fremden sprechen!“, ärgerte sich die Mutter. „Ach Mutter, das weiß ich doch, um Hilfe hat das Großmütterchen mich dennoch gebeten.“ „Mach das die Fledermaus rauskommt, aber schnell, wir wollen keine Haustiere“, meckerte der Vater. So setzten die Eltern das arme Fledermäuschen vor die Tür und das Häschen, das bekam Stubenarrest. Das Fledermäuschen fror die ganze Nacht im Garten. Als die Alte am nächsten Morgen ihres Weges kam und ihr Mäuschen sah, da erschrak sie und war gar zornig. Sie klopfte an die Tür und fragte: „Was hat mein Mäuschen euch getan, dass ihr es habt frieren lassen?“ Die Mutter und der Vater antworteten durch die verschlossene Tür: „Haustiere, nein die gibt es hier nicht. Nein, Haustiere gibt es bei uns nicht.“ Die Alte sprach voll Zorn und Ärger: „Helfen sollt ihr den Alten und den Kranken! Jetzt soll es euch schlecht ergehen und Corona auf euch hernieder gehen!“ Sie nahm das Fledermäuschen mit und ging des Weges. Am Abend ging es der Mutter schlecht, Husten und Fieber hatte sie. Der Vater meinte nur: „Ach weh, ach weh, was kann ich denn nur machen, dass es ihr besser geht?“ So saß er die ganze Nacht bei seiner Frau und weinte sehr, denn es ging ihr schlecht, ach weh. Und am Morgen da geschah es, dass auch der Vater hernieder lag. Es ging ihm schlecht und er hustete sehr. So sagte er zum Häschen: „Such das Großmütterchen schnell, auf dass es uns helfen mag. Ach weh, ach weh, wir geben auch auf ihr Tierchen Acht.“
Das Häschen sputete sich und suchte das Großmütterchen. Am Mittag schließlich fand es sie. Es bat sie ganz außer Atem: „Ach Großmütterchen, sei nicht sauer auf meine Eltern. Sie wollen doch nur das Beste für mich. Ich soll mich fernhalten von Fremden.“ Die Alte antwortete: „Es geht mir nicht darum. Damit haben sie wahrscheinlich Recht. Doch mein Mäuschen haben sie gar frieren lassen!“ „Ach bitte, bitte, vergib ihnen, sie meinten es nicht böse.“, schluchzte das kleine Häschen. „Nun gut mein Kleines, gib deinen Eltern dies, es wird ihnen helfen.“, meinte die Alte nun und reichte dem Häschen ein kleines Fläschchen, „Dies ist ein Antidot, gib es ihnen zu trinken. Das Häschen eilte nach Haus und gab seinen Eltern zu trinken, was die Alte im gegeben hatte. So gleich fühlten sie sich besser und bedankten sich beim Häschen: „Sag dem Großmütterchen, dass wir ihr Tierchen nicht gut behandelt haben und es ein Plätzchen bei uns hat, jeder Zeit bei Tag und Nacht. Das Häschen freute sich und als es das Großmütterchen traf, da richtete es den Gruß der Eltern aus. Das Großmütterchen freute sich sehr und so kümmerte sich Familie Hase nun bei Tage und bei Nacht um das kleine Fledermäuschen. Und wenn sie nicht gestorben sind dann leben sie noch heute.