Staunen und verstehen – Pädagogische Arbeit in Zwolle und Lüdinghausen

Teil II: So viel Inspiration

Nach Teil I (Äpfel und Birnen – Exkursion deutscher Erzieherinnen in Zwolle) im Mai 2019 tauchten drei niederländische Erzieherinnen im November 2019 an zwei Tagen in die pädagogische Arbeit in Lüdinghausen und Senden ein. Sie besuchten das Ev. Familienzentrum Erlengrund in Senden, den Ev. Stephanus Kindergarten, den St. Monika Kindergarten, das DRK Familienzentrum „Im Rott“ sowie den St. Dionysius Kindergarten in Lüdinghausen. Die sie begleitende Lehrerin vom Deltion College hospitierte derweil im Unterricht am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg. Sie nahm das Miteinander von Schüler*innen und Lehrkräften als weniger distanziert wahr als an ihrer Schule und zeigte sich beeindruckt von der Verzahnung von Theorie und Praxis im Naturwissenschaftsunterricht der Fachschule für Sozialpädagogik.

Die Erzieherinnen waren begeistert von den Möglichkeiten und dem Platz in deutschen Kindertagesstätten, was sie in unzähligen Fotos dokumentierten. Motiviert, viele der Ideen am eigenen Arbeitsplatz umzusetzen, reisten sie nach zwei intensiven Tagen am Dienstag wieder ab.

Sowohl am gemeinsamen Abendessen am Montag als auch am Evaluationstreffen am Dienstag nahmen neben den vier niederländischen Gästen zahlreiche Erzieherinnen aus den besuchten Kindertagesstätten teil und bestätigten damit das gegenseitige Interesse am pädagogischen Austausch mit Vertreterinnen aus dem Nachbarland.

 

Teil III: Jetzt der Nachwuchs

Wie jedes Jahr kamen auch angehende Erzieherinnen aus dem Deltion College für einen Tag im November nach Lüdinghausen, um über den Tellerrand zu blicken und einen Einblick in die pädagogische Arbeit in Deutschland zu erhalten.

Der Tag begann mit einem Kennenlernen, denn Schüler*innen des Niederländischkurses der BG71S hatten den ersten Teil des Programms der Niederländer*innen vorbereitet. Bei anschließendem Mittagssnack tauschten sich die angehenden Erzieherinnen miteinander aus. Die deutschen Schüler*innen erklären Besonderheiten des Ausbildung zur Erzieher*in bzw. der frühkindlichen Erziehung anhand vorbereiteter Visualisierungen. Die Gäste konnten, ausgestattet mit diesem Basiswissen, die Eindrücke aus zwei unterschiedlichen Kindertageseinrichtungen, die sie anschließend jeweils in Kleingruppen besuchten, entsprechend einordnen.

Teil IV: Alte Hasen und junge Hüpfer – Selber erleben am nachhaltigsten

Der Gegenbesuch erfolgte Ende Januar 2020. Eine Gruppe von 30 angehenden Erzieher*innen und Heilerziehungspfleger*innen machte sich auf den Weg nach Zwolle, um einen Einblick in die sozialpädagogische Arbeit zu erhalten.

Dieses Mal wurde die Gruppe um 4 Erzieherinnen aus dem St. Dionysius Kindergarten und dem St. Monika Kindergarten in Lüdinghausen sowie deren Verbundleitung ergänzt, die in Folge des pädagogischen Austausches (Teil I und Teil II) ebenfalls die praktische Arbeit im Nachbarland kennenlernen wollten.

In Kindertagesstätten, Grundschulen, einem Internat für Schifferskinder, Wohnformen für Menschen mit Behinderungen und Gemeindebauernhöfen erhielten alle Beteiligten neue Einblicke in die sozialpädagogische Arbeit. Es beeindruckten vor allem die Selbstständigkeit der Menschen mit Behinderung, die Außenschlafplätze für Kinder sowie die tägliche Freiwilligenarbeit von Anwohner*innen auf dem Gemeindebauernhof, die z.B. Angebote für Menschen mit Behinderungen, etwa aus den besuchten Wohnformen, mit einschließt.

Es zeigte sich mal wieder, dass es am eindrücklichsten ist, wenn „das Andere“ vor Ort erlebt wird. Erzählungen aus zweiter Hand können diesen Erfahrungen nicht das Wasser reichen.

Der Austausch der niederländischen und deutschen Erzieherinnen sowie die Exkursion des Richard-von Weizsäcker-Berufskollegs - Europaschule mit dem Deltion College in Zwolle wurden als Tandemmaßnahmen im Rahmen des INTERREG-Programms Deutschland-Nederland "Lernen ohne Grenzen/ Leren zonder grenzen" durchgeführt und  durch EU-Mittel (Interreg V) mit Beiträgen der Schulen selbst und der Provinzen Gelderland und Overijssel sowie Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen finanziert.